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Offene Grundrisse und ihre akustische Kehrseite: Was moderne Wohnkonzepte über Raumklang verraten

Raumklang
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Offene Wohnküchen, mieselnde Übergänge zwischen Ess- und Wohnbereich, große Fensterflächen und glatte Böden sind die Kennzeichen des Wohnungsbaus der letzten zwanzig Jahre. Was architektonisch großzügig erscheint, hat eine wenig beachtete Nebenwirkung. In solchen Räumen verteilt sich der Schall kaum gedämpft, weshalb Gespräche, Geräusche aus der Küche und Lärm von der Straße viel stärker wahrgenommen werden als in klassischen Wohnungen, die mit Textilien, Teppichen und Zwischenwänden gestaltet sind.

Warum große Räume akustisch anspruchsvoll sind

Maßgeblich für den Höreindruck ist die Nachhallzeit. Sie beschreibt, wie lange ein Schallereignis im Raum nachhallt, bis sein Pegel um 60 dB gefallen ist. Die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“ definiert Sollwerte für Nachhallzeiten in Abhängigkeit von Raumnutzung und Rauminhalt. Als angenehm gelten in Wohnräumen Werte um 0,5 bis 0,6 s. In offenen Grundrissen mit Betondecke, Sichtestrich und Glasflächen werden oft Werte über 0,8 s, in Extremfällen noch viel mehr erreicht. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik weist in zahlreichen Publikationen darauf hin, daß bei zu langen Nachhallzeiten die Sprachverständlichkeit leidet und die kognitive Belastung zunimmt, da das Gehirn ständig zwischen Nutzsignal und Störgeräusch trennen muss.

Materialien, Flächen und die Rolle absorbierender Elemente

Reflektierende Oberflächen sind der Kern des Problems. Glas, Sichtbeton, geöltes Parkett und lackierte Wände absorbieren im mittleren und hohen Frequenzbereich kaum Schallenergie. Wer nachträglich Ruhe in einen offenen Grundriss bringen möchte, hat mehrere Optionen. Vorhänge aus schwerem Stoff, Wollteppiche und gepolsterte Möbel liefern erste Beiträge. Für eine gezielte Reduktion der Nachhallzeit reichen diese jedoch selten aus, insbesondere wenn Deckenflächen frei bleiben sollen. Hier setzen Schallabsorber für die Wand an, die mit definierten Absorptionsgraden nach DIN EN ISO 354 geprüft werden. Der Absorptionsgrad Alpha_w gibt an, welcher Anteil des auftreffenden Schalls in Wärme umgewandelt wird. Werte zwischen 0,80 und 1,00 gelten als hochabsorbierend und werden in der Regel durch poröse Materialien wie Polyestervlies, Melaminharzschaum oder Mineralwolle erreicht.

Die Platzierung folgt bauphysikalischen Grundregeln. Absorber wirken am effektivsten dort, wo Schallwellen mehrfach reflektiert werden, also an großen, parallelen Wandflächen und an den ersten Reflexionspunkten zwischen Schallquelle und Hörposition. In einer Wohnküche sind das häufig die Wand gegenüber der Kochinsel und die Fläche hinter dem Esstisch.

Trend zu wohnlichen Lösungen und was der Markt bietet

Die Nachfrage nach akustisch wirksamen Wandelementen ist in den vergangenen Jahren gestiegen, was sich auch in der Produktvielfalt zeigt. Neben klassischen, sichtbaren Absorberplatten sind Ausführungen mit Holzlamellen, textilen Bezügen oder bedruckten Oberflächen verbreitet. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik veröffentlicht regelmäßig Fachbeiträge zu Wohnraumakustik und weist darauf hin, dass ästhetische Akzeptanz ein entscheidender Faktor für die tatsächliche Nutzung solcher Produkte ist. Ein Absorber, der wie ein Wandbild oder ein Holzpaneel wirkt, wird eher installiert und dauerhaft belassen als ein technisch anmutender Schaumstoffkeil.

Bei der Auswahl lohnt der Blick auf Prüfberichte. Seriöse Hersteller weisen den Absorptionsgrad frequenzabhängig aus, üblicherweise für die Terzbänder von 100 Hertz bis 5000 Hertz. Wer Sprachverständlichkeit verbessern möchte, achtet auf hohe Werte zwischen 500 und 2000 Hertz. Für Musikräume oder Heimkinos ist zusätzlich das Verhalten im Tieftonbereich relevant, das nur mit dickeren Aufbauten oder speziellen Plattenschwingern erreicht wird.

Was Bauherren und Mieter konkret prüfen sollten

Vor einer Investition empfiehlt sich eine einfache Bestandsaufnahme. Klatscht man in der Raummitte einmal deutlich in die Hände und hört einen langen, nachhängenden Klang, liegt die Nachhallzeit vermutlich über den Empfehlungen der DIN 18041. Mobile Messungen mit Smartphone-Apps liefern grobe Orientierung, ersetzen aber keine bauakustische Beratung. Für größere Räume ab etwa 40 Quadratmetern oder bei besonderen Nutzungen wie Musizieren, Videokonferenzen oder Podcast-Aufnahmen ist eine Berechnung durch einen Akustikplaner sinnvoll, der die benötigte Absorberfläche in Quadratmetern äquivalenter Schallabsorptionsfläche ausweist.

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